Newsletter vom 11. 02. 2010

Slow Food Messe "Markt des guten Geschmacks" - 15. bis 18. April - Stuttgart, Neue Messe


Countdown für den Kinderkochwettbewerb

Auch das hat schon Tradition auf der Slow Food Messe "Markt des guten Geschmacks": Zum vierten Male werden Schulklassen im friedlichen Wettstreit um die besten Koch-Ideen und -Fähigkeiten unter der Ägide von Andreas Eggenwirth von den Junior-Köchen Deutschlands antreten. Erneut gibt es tatkräftige Unterstützung von der AOK Baden-Württemberg, die weiß, dass sie hier in die gesunde Ernährung künftiger Generationen investiert, und von der Edeka Südwest, die den teilnehmenden Teams Einkaufsgutscheine zur Verfügung stellt. Auch das baden-württembergische Kultusministerium steht voll und ganz hinter der guten Sache. Das Format dieser Veranstaltung hat sich bewährt. Es zeigen in der Regel dreiköpfige Teams (plus Betreuer) von verschiedenen Schulen auf der Kochbühne, was sie können. Dabei gibt es drei Altersgruppen: 10 bis 12, 13 bis 15 und 16 bis 18 Jahre. Ein Hauptgericht für vier Personen soll zubereitet werden, und wie es sich für Slow Food gehört, spielt die Regionalität in Bezug auf Rezept und eingesetzte Produkte eine wichtige Rolle. Dabei haben die Teams bis zu 45 Minuten Zeit. Anschließend bewertet eine Jury die Ergebnisse und verteilt Medaillen, so dass niemand leer ausgeht. Seit Anfang Januar haben sich schon mehrere Schulen angemeldet und auch der Anmeldeschluss naht: 1. März. Der kürzeste Weg führt über www.aok-bw.de. 


Dem Geschmack auf der Spur

Typisch Slow Food: Was wäre eine Genuss-Messe ohne "Geschmackserlebnisse" bei denen man etwas lernen kann. Auch dieses Mal wird es 15 und mehr Veranstaltungen dieser Art geben, die meisten sind bereits festgezurrt. Neben den "Klassikern" wie fränkischem Gründkern und alten Kartoffelsorten und dem Thema "Wie schmeckt die Zeit?" mit Petra Forster kann man dieses Mal etwas darüber erfahren, dass auch geschmacklich Forelle nicht gleich Forelle ist, warum man bei hochwertigem Kürbiskernöl sofort an die Steiermark denkt und was sich alles in der Maultasche verbergen kann. Dass Wein und Süßes zusammen passen, ist nicht neu, wohl aber die Kombination Bier und Pralinen. Dass man Blumen auch essen kann, hat sich vielleicht herum gesprochen - aber wer traut sich schon daran? Martina Kabitzsch, die an der östlichen Stadtgrenze von Berlin Blumen nur für diesen Zweck anbaut, will zeigen wie es geht. Die Münchener Confisierie Madlon, nie um gute Ideen verlegen, präsentiert außergewöhnliche Pralinen. Man darf sich überraschen lassen.


Vom Bodensee-Klima verwöhnt

Die Bodensee-Insel Reichenau. durch das gleichnamige Kloster auch UNESCO-Weltkulturerbe, ist wie kaum ein anderer Ort Deutschland vom Klima verwöhnt. Durch die temperaturausgleichende Wirkung des Bodensees, die positiven Auswirkungen des Alpenföhns und die daraus resultierende hohe Zahl an Sonnentagen ist es auf der Reichenau besonders mild. Hiervon profitiert zuerst der Gemüseanbau mit bis zu drei Freilandernten pro Jahr. Etwa 160 Hektar der Insel werden landwirtschaftlich genutzt. Das man davon etwas mitnehmen kann in rauere Gefilde, und dies zum Beispiel auch auf der Slow Food Messe "Markt des guten Geschmacks", dafür sorgt die "Gutes von der Reichenau GmbH & Co KG. mit ihren Produkten, die unter dem Namen "Pfiffikus" populär geworden sind. Der großen Renner ist die "Streuwürze mit Gemüsebrühe". In jeder 250-Gramm-Dose sind 800 Gramm biologisch angebautes Frischgemüse als Trockengemüse verarbeitet. Hinzu kommt naturbelassenes Steinsalz, aber jegliche Geschmachsverstärker, auch Hefeextrakt oder Milcheiweiß, sind tabu. Das Produkt ist gluten- und laktosefrei. Apfel, Kurkuma, Ingwer und Liebstöckel runden den Gemüsegeschmack ab. Zu den weiteren Pfoffikus-Produkten Gemüseküchle auf Kartofffel- oder Dinkel-Hafer-Basis. Auch hier gibt es eine Trockenmasse, die man mit Wasser aufquellen lässt und am Ende im Ofen ausbäckt. Eine wunderbare Beilage zu Gemüsegerichten und Salaten. Bärlauch- und Basilikum-Pesto schließlich runden das Programm von der Reichenau ab.


Wenn sich Sachsen und Schwaben begegnen

Als jüngst Stuart Pigott und Jürgen Dollase ihre "Lieblinge des Jahres" in der FAZ präsentierten, war es in der Rubrik "Getränke" ein Stammgast der Slow Food Messe vom ersten Tag an: Jörg Geigers Schaumwein von der Champagner-Bratbirne. Eine große Tradition hat der Wirt aus Göppingen-Schlat wiederbelebt und wurde zur Strafe erst einmal vom Champagner-Konsortium abgemahnt. Jetzt bekommt er Schützenhilfe aus Sachsen. Die Erste Dresdner Spezialitätenbrennerei "Augustus Rex" (ebenfalls Stammgast auf der Slow Food Messe), seit Jahren darauf spezialisiert, alte Obstsorten durch den Aufkauf der Ernte und die anschließende Weiterverarbeitung in der Brennblase zu retten, hat sich an die Schwester der Champagner-Bratbirne erinnert, die Apfelsorte "Champagner Renette". 1700 wurde sie das erste Mal erwähnt und ihr Name deutet auf ihren Ursprung in der Champagne in Frankreich hin. 1857 wurde die Apfelsorte „Champagner Renette“ in Deutschland zum Anbau empfohlen. Seither wird er in Deutschland, Österreich und der Schweiz betrieben. Der auch unter dem Namen "Loskrieger" bekannte Tafel-, Koch- und Mostapfel ist Ende Oktober pflückreif und bringt kleine bis höchstens mittelgroße Früchte, die sehr flach, breit, oberseits gerippt, abgeplattet und gleichmäßig, manchmal zungenförmig berostet sind. Die Schale wachsgelb, sonnenseitig teil blassrosa verwaschen, glatt, fett und beduftet, das Fruchtfleisch gelblichweiß, etwas grob, saftiges, feinsäuerliche schmeckend, druckempfindlich und oft glasig. "Für unsere Brennerei ist es immer ein ganz besonderes Erlebnis, wenn wir Ihnen ein neues, bisher nicht bekanntes sortenreines Destillat anbieten können", sagt Edelbrenner Georg Schenk. Angst, dass auch er vom Champagner-Konsortium verfolgt werden könnte, hat er nicht, denn das Etikett ist fern jeder Verwechslungsgefahr. Und außerdem: Vom Edelbrand „Champagner Renette“ gibt es ganze 98 Flaschen. Auf dem "Markt des guten Geschmacks" muss man sich also sputen, noch etwas abzubekommen.


Es muss nicht immer Italien sein

Als sich jüngst zur Grünen Woche in Berlin "Rock for nature" mit sechs renommierten Rockbands vorstellte, war als einzige Berliner Band "Sidetrack" dabei. Der freundliche Mann am Schlagzeug war kaum zu überhören. Dietmar Burmeister-Horvath spielt mit seinen Freunde gerne für einen guten Zweck, aber sein Beruf ist ein anderer: Bestes Olivenöl auf Kreta ausfindig zu machen und nach Deutschland zu bringen. Und man sollte es kaum glauben: Vor allem in der auf italienische Olivenöle fixierten Spitzengastronomie findet er offene Türen. Denn es hat sich herum gesprochen, dass es auf der griechischen Mittelmeer-Insel die allerfeinsten Öle gibt, die den guten Produkten aus Ligurien, der Toskana oder der Provence kaum nachstehen. "ELIA - Gutes von Kreta" heißt die kleine Firma in Berlin-Neukölln, die er zusammen mit seiner Frau Raphaela betreibt. Aber das andere Standbein ist auf der Insel selber. Die Horvaths sind auf die Geschäftsidee gekommen, nachdem sie schon einige Zeit Urlaub in einem kretischen Dorf gemacht hatten, die Menschen und auch das, was sie produzieren, kennen lernten. Eine große genusshandwerkliche Tradition entdeckten sie. Die angebotenen Olivenöle haben ihre komplett eigene Identität, eigene Personalangaben, Herkunftsort und Herstellernamen sind also jederzeit ersichtlich. Die meisten Olivenöle kommen aus der Region Kolimbari im Nordwesten Kretas. Die Ölmühle wird seit vielen Jahren von der Familie Mihelakis betrieben. Eine Familie, die mit Hingabe und viel Sorgfalt die Produktion von Extra Nativen Olivenölen betreibt, wie Dietmar Burmeister-Horvath sagt. Auch Honig und Essig von Kreta bietet er mittlerweile an, ja sogar Kosmetika auf Olivenöl-Basis. 2009 war er das erste Mal auf der Slow Food Messe, und sein Stand war sofort umlagert. Irgendwie scheint sich das mit Kreta herum gesprochen zu haben.


Süße Verführung mit hochgeistiger Wirkung

Die einen sind passionierte Chocolatiers, die anderen versuchen aus Obst die allerfeinsten Aromen zu destillieren. Und nun haben sie sich für den "Markt des guten Geschmacks" zusammen getan. Die Schokoladenmanufaktur von Eberhard Schell in der romantischen Altstadt von Gundelsheim am Neckar hat sich auf Pralinen und Schokoladen konzentriert. Der Schokolade sagt man eine erotisierende Wirkung nach: Wie verführerisch muss dann erst die Beziehung zwischen Bränden, Pralinen und Schokolade sein, sagte sich Chocolatier Schell. Neben den Klassikern rund um die Weintraube wagt er sich schon vorher an ungewöhnliche Zutaten wir Oliven, Atlantiksalz, Citrus und Weinessig, aber noch aufregendere Geschmackserlebnisse versprechen Kombinationen mit edlen Bränden. Destillateur Hubertus Vallendar aus Kail an der Terrassenmosel ist als „Aromenfänger“ stets auf der Suche nach der Quintessenz von Edelbränden und Geisten. Er stellt an seine Produkte absolute Ansprüche in Bezug auf Geruch, Geschmack und Konsistenz. Dabei kommt es auf die Nase an, beim Brennen ebenso wie beim Kosten. Mit dieser Kunstfertigkeit, die er bis zur Perfektion beherrscht, hat sich Hubertus Vallendar einen Platz unter den renommiertesten Destillateuren der Welt erobert. Keiner seiner deutschen Kollegen hat so viele internationale Preise eingeheimst. Über tausend Aromen stecken in der Kakaobohne, ein geballtes Potential, das sich am besten mit einem Kontrastprogrammm erschließen lässt: scharfen Gewürzen oder kraftvollen Getränken. Was diese geschmacklichen Gegenspieler magisch anzieht, sind einerseits die Kontraste, andererseits die Parallelen der Aromen: Daraus entspinnt sich ein verführerischer Dialog. Vier Tage lang kann man ihn in Stuttgart genießen – beim Markt des guten Geschmacks.


Innere Wärme aus den Savoyer Alpen

In diesen Tagen, da in Vancouver die Olympischen Winterspiele ausgetragen werden, blickt man gerne vier Jahre zurück, als Turin an der Reihe war. Oder besser gesagt die Region rund um die zeitweilige italienische Hauptstadt. Wer zu den ´Ski-Orten wollte, kam nicht an Susa vorbei, der alten Römerstadt auf halbem Wege zum Tunnel von Frejus, der nach Frankreich führt. Und aus Susa kommt dieses Mal auch ein Aussteller auf dem "Markt des guten Geschmacks", die "Distilleria Erboristica Alpina", übersetzt die "Alpine Kräuterbrennerei". Die Geschichte des Betriebes begann 1979 mit einer kleinen Grappa-Destillerie bei Asti. Die Marke "Grappa del Nonno" (Großvaters Grappa) wurde schnell populär. Von Anfang an gingen die Gebrüder Zara, die den Betrieb aufgezogen hatten, auf Messen in Italien - nicht zuletzt den "Salone del Gusto" - und Europa, um im Kontakt mit den Kunden das Angebot weiter zu entwickeln. An mehreren Orten Norditaliens entstanden auch "Botthege del Nonno", also Verkaufs- und Probierstuben. Für die Grappe werden die besten Barolo-Trester verwendet, daneben gibt es aber auch aromatisierte Grappe und einen ganz besonderen Kräuterlikör: den "Granger". Er wird aus Genepy, einer Beifußart hergestellt, und zwar nach traditionellen Rezepten der Bergregion an der Grenze zu Frankreich. Dieser Likör wird auch gerne zur Speiseeis-Herstellung verwendet und tröpfchenweise zu Fleisch- und Wildgerichten der Region hinzu gegeben. Und da Turin auch die heimliche Hauptstadt der Schokoladenherstellung ist, darf "Turin Chocolat" nicht fehlen. Kakao, Vanille, Zimt, Kardamon und Rum aus Martinique machen den besonderen Geschmack des mit 16 Prozent Alkohol recht bekömmlichen Likörs aus.

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